Herbst-Gedichte

Harvst-Spazeergang

Laht uns doch spazeerengahn,
langsaam farvst sük all dat Land.
De staatsken Steernblömkes stahn
wedder hoch in rooden Brand.

(Plattdütsch von Karin Steiner, 2007)

Härbst

Wenn de und das Laub wird älter,
und du merkst, die Luft wird kälter,
und du fiehlst, doss du bald stärbst –
dann is Härbst.

(Schlesisch, nach einem Vortrag von Dieter Hildebrandt,
† später im Härbst an einem 20. November)

De Sünn wordt möi

De Sünn, de doch so flietig weer,
se wordt nu möi, se kann nich mehr.
Se hett de ganzen Sömmer unverdroten
hör Warmt un Lucht doch up uns schoten.

(Plattdütsch von Rudi Rabe, 2008)

Herbstdepression

Verblüht sind Dahlien und Ginster,
die Abende sind früher finster,
die Rechnung steigt für Gas und Licht,
der Tag nimmt ab – ich leider nicht!

(Hochdeutsch von Unbekannt)

Oktoberlied

Der Nebel steigt,
es fällt das Laub;
schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
vergolden, ja vergolden!
Und geht es draußen noch so toll,
unchristlich oder christlich,
ist doch die Welt, die schöne Welt,
so gänzlich unverwüstlich!

(1848er Deutsch von Theodor Storm)

Das sind Bilder von heute, als wir auf dem Weg weg von der Ostseeküste 10 km ins Landesinnere waren. Die hügelige Endmoränenlandschaft wird als Holsteinische Schweiz bezeichnet. Die letzten Bilder sind vom Gut Sierhagen, ursprünglich die wendische Adelsburg Syra aus dem 12. Jahrhundert.

[Inhaltsverzeichnis]

12 Kommentare

  1. hanneweb · Oktober 27

    Moin Sven,
    bei dir herbstelt es ja auch ganz herrlich in den Bildern und Gedichten, wobei ich bei Plattdeutsch bissl rätseln musste. 😀
    Liebe Grüße von Hanne und hab noch einen schönen erholsamen Abend! 🌜🌠

    Gefällt 1 Person

    • Sven Meier · Oktober 27

      Moin Hanne. Ja, der Herbst kommt nun mit aller Macht. Und Platt, ach ja, he seggt so un se seggt so. Meine beiden Großväter, der eine aus Pommern, der andere aus dem mittleren Niedersachsen, haben zwar beide Platt geschnackt, aber sich nicht verstanden. Und die Friesen sprechen noch ein anderes Platt. Manchmal muss ich auch rätseln. Steernblömkes zum Beispiel, ich habe nachgelesen: Das sind die Astern. Habe ich wieder was gelernt 😉
      Bleibe gesund & munter!

      Gefällt 1 Person

  2. Stella, oh, Stella · Oktober 27

    Gut, dass du das sagst met de Steernblömkes, das wusste ich auch nicht. In Hamburg ist das Platt etwas anders als in Schleswig-Holstein. Laut meinem ehemaligen Spanischlehrer vergewaltigen die Hamburger sämtliche Vokale … 😉

    Gefällt 1 Person

    • Sven Meier · Oktober 28

      Moin Stella. Ja ja, wie gesagt: „He seggt so un se seggt so“. Wenn ich an meine beiden Großväter denke (der eine Flüchtling aus Pommern), stellvertretend für viel andere, dann nahm das mitunter skurrile Formen an. Jeder glaubte das „richtige“ Platt zu sprechen und auch Vorwürfe gab es, so nach dem Motto, „Wir nehmen euch Flüchtlinge aus dem Osten auf, teilen mit euch Essen und Wohnraum, und als Dank klookschietert ihr hier rum“. Jedenfalls sind das so meine Erinnerungen an jüngste Kindertage. So „richtig grün“ sind sich meine beiden Großväter nie geworden. Aber viele Flüchtlinge hatte damals wohl mit Ressentiments zu kämpfen …, im Grunde hat sich nichts geändert.
      Viele Grüße aus Ostholstein, bleibt gesund & munter

      Gefällt 1 Person

  3. wolkenbeobachterin · Oktober 28

    sehr schöne fotos, sieht toll aus da bei euch. schön, wie sich jetzt alles farbenfroh verändert. ich mag auch die gebäude sehr gern, das mit dem durchgang – ist das eine burg? da würde ich auch gern mal spazieren gehen. 🙂 danke fürs zeigen! gute restwoche dir.

    Gefällt 1 Person

    • wolkenbeobachterin · Oktober 28

      ps.: ganz vergessen – die gedichte gefallen mir auch. besonders das von storm.

      Gefällt mir

    • Sven Meier · November 2

      Moin. Ich zeige doch gerne und die die Restwoche war gut. Danke.
      Nee, ein klassische Burg ist das nicht, auch wenn die Gebäude auf den Bildern recht wehrhaft aussehen mögen. Das ist eine der großen Gutshofanlagen, wie wir hier im Norden einige davon haben. Viel Land, wenige Bewohner, reiche Gutsherren. So war das hier früher. Heute stehen viele Güter unter Denkmalschutz und die Eigentümer mühen sich sie zu erhalten. Das finde ich auch ganz toll. Um ein bisschen mehr Geld in die Kassen zu kriegen, finden auf vielen Gütern irgendwelche Events statt, vom Frühlings- bis zum Weihnachtsmarkt, Hochzeiten, usw., usw..
      Viele Grüße

      Gefällt 1 Person

  4. Pingback: Von der See an die Seen | SvenMeierFoto
  5. Pingback: November 2020 | SvenMeierFoto
  6. smswp · November 1

    Herbstgedicht.
    Fällt ein Blatt in den Teich:
    Blätterteich.

    Gefällt mir

  7. Pingback: Wild – kann man auch essen | Sven Meier erzählt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.